Die historische Verladerampe wurde von Wehrmacht und SS für die Deportation zehntausender Kriegsgefangener und KZ-Häftlinge genutzt, von denen 20.000 bzw. mindestens 52.000 in Bergen-Belsen starben. Es ist heute der einzige Bereich, der räumlich noch das Aussehen der historischen Situation hat. Als Ankunftspunkt für den Sterbeort ihrer Verwandten spielt die Verladerampe in der Erinnerung zahlreicher Angehöriger eine wichtige Rolle. Sie steht sinnbildlich für die Deportation der europäischen Juden sowie aller weiterer Häftlingsgruppen, die insbesondere in den letzten Monaten vor der Befreiung in zahllosen Räumungstransporten in Bergen-Belsen ankamen. Als Erinnerungsort hat sie daher eine internationale Bedeutung.
Die denkmalgeschützte Rampe mit dem Nachbau eines historischen Güterwaggons spielt außerdem eine wichtige Rolle in unserer Bildungsarbeit. Täglich betreuen wir hier Gruppen und informieren über die Geschichte der Verladerampe und den Weg der KZ-Häftlinge und Kriegsgefangenen, der über 6 km Fußmarsch in die Lager Bergen-Belsens führte.
Die Neubautrasse der Bahn muss in ausreichendem Abstand an diesem wichtigen Gedenkort vorbeiführen. Damit wird verhindert:
- Die Gefahr, dass historische Bausubstanz im Zuge der Bauarbeiten beschädigt oder zerstört wird.
- Eine erhebliche Beeinträchtigung des räumlichen Gesamtzusammenhangs des historischen Bereichs der Verladerampe, die die Würde des Ortes negativ beeinflusst.
- Eine erhöhte Lärmbelastung, die die Würde des Ortes verletzt und die Bildungsarbeit mit Gruppen beeinträchtigt.
- Funde von menschlichen Gebeinen im unmittelbaren Umfeld der historischen Verladerampe. Im Zusammenhang der Transporte wurden vermutlich auch hier Menschen getötet oder Tote verscharrt. Derartige Funde während der Bauarbeiten wären anzunehmen.
Die alternative Streckenführung in diesem Bereich ist als Möglichkeit in den Plänen auch vorgesehen. „Wichtig ist allerdings, dass sie auch so beschlossen wird“ betont Dr. Gryglewski. „Nur dann kann der historische Ort weiterhin als Gedenk- und Lernort wirksam sein. Das liegt jetzt in der Hand der politischen Vertreter*innen.“
