• Dachzeile Von der Befreiung zur Gedenkstätte

Geschichte der Gedenkstätte Bergen-Belsen

Zwei Personen schauen daurch das Panoramafenster auf das ehemalige Lagergelände
© Jesco Denzel – SnG

Erste Pläne für einen Gedenkort auf dem ehemaligen Lagergelände entstanden bereits im Herbst 1945. Die Entwicklung hin zu einer professionell arbeitenden Gedenkstätte mit wissenschaftlichem Personal, regelmäßigen Führungen, einer Dauerausstellung, einem Archiv und einer Bibliothek dauerte jedoch noch weitere Jahrzehnte.

Entstehungsgeschichte der Gedenkstätte Bergen-Belsen

Die britische Militärregierung ordnete bereits Ende September 1945 an, einen angemessenen Gedenkort zu gestalten. Die damaligen Pläne für das Gelände umfassten lediglich den Bereich um die Massengräber und sahen eine friedhofsähnliche Anlage vor.

Einweihung der Gedenkstätte

Eine internationale Kommission, in der auch Überlebende vertreten waren wurde gebildet. Sie empfahl im Sommer 1946, einen Obelisken und eine Inschriftenwand zu errichten. Im November 1952 wurde diese Gedenkstätte mit einem international beachteten Staatsakt eingeweiht. Die Verantwortung für sie wurde dem Bundesland Niedersachsen übertragen. Damit ist sie die älteste Gedenkstätte der Bundesrepublik in staatlicher Trägerschaft.

Im Verlauf der 1950er Jahre geriet der Erinnerungsort Bergen-Belsen immer stärker in Vergessenheit. Im Zuge einer Welle antisemitischer Schmierereien Ende 1959 und der öffentlichkeitswirksamen Prozesse gegen Adolf Eichmann und die Wachmannschaften von Auschwitz wurde wieder verstärkt über die Vergangenheit gesprochen. In diesem Zusammenhang erschien die erste wissenschaftliche Publikation zur Geschichte des Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Zudem wurde die Gedenkstätte mit der Finanzierung des Landes durch ein Dokumentenhaus mit einer Ausstellung ergänzt und das Gelände umgestaltet.

Professionalisierung der Gedenkstättenarbeit

Nach der Eröffnung des Dokumentenhauses im Jahre 1966 blieb Bergen-Belsen für lange Zeit eine Gedenkstätte ohne wissenschaftliches Personal. Zwei Jahrzehnte später erfüllte dieser Zustand nicht mehr die Ansprüche an eine umfassende Erinnerungsarbeit an den Orten der nationalsozialistischen Verbrechen. 1985 beschloss der Niedersächsische Landtag einstimmig, das Dokumentenhaus zu erweitern und eine Besucherbetreuung vor Ort zu organisieren. Im April 1990 konnte im erheblich erweiterten Dokumentenhaus eine neue Dauerausstellung eröffnet werden, die erstmals auch die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers vorstellte. Mit der Einstellung wissenschaftlichen Personals ab 1987, der Einrichtung von Seminarräumen und dem Angebot von Führungen wurden die Voraussetzungen für eine dauerhafte Gedenkstättenarbeit geschaffen.

Nach mehrjährigen weltweiten Archivforschungen sowie einer umfangreichen Erweiterung der Sammlung mit Zeugnissen zur Geschichte des Ortes eröffnete die Gedenkstätte 2007 ein Dokumentationszentrum mit Dauerausstellung, Archiv und Bibliothek. Im Rahmen der Außengestaltung des ehemaligen Lagers entstand anschließend ein Besucherleitsystem zur Erläuterung des historischen Orts mit Informationsstelen und Lesezeichen.

2019 wurde ein Segment von fünf historischen Gebäuden der benachbarten Kaserne abgetrennt. Das Gebäude M.B. 89 ist seither als Lernort Teil der Gedenkstätte. Dort befindet sich auch eine Ausstellung zur Wehrmacht vor Ort von der Errichtung des Truppenübungsplatzes bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa.

Bergen-Belsen: Lager, Mahnung, Gedenken

nach oben