Anastasija Gulej wurde am 12. Dezember 1925 in einem Dorf unweit von Kiew in der heutigen Ukraine geboren. Statt wie geplant ein Studium zu beginnen, wird sie im Alter von 17 Jahren zur Zwangsarbeit verschleppt und später in mehreren Konzentrationslagern inhaftiert – darunter auch Bergen-Belsen, wo sie schließlich befreit wird.
Seit den 1970er Jahren engagiert sich Anastasija Gulej in Verbänden ehemaliger KZ-Häftlinge: Zunächst in der Kiewer Sektion ehemaliger KZ-Häftlinge, die organisatorisch zum sowjetischen Komitee der Kriegsveteranen gehörte, später im Ukrainischen Verband der Kämpfer des antifaschistischen Widerstands (OBAS), der nach dem Zerfall der Sowjetunion entstand.
Im Herbst 1995, rund 50 Jahre nach ihrer Befreiung, besucht Anastasija Gulej schließlich mit 15 anderen OBAS-Mitgliedern zum ersten Mal wieder Bergen-Belsen. Von diesem Zeitpunkt an fungiert sie als eine wichtige Verbindungspersonen zwischen der Gedenkstätte und den Bergen-Belsen-Überlebenden in der Ukraine. Dabei setzt sich Anastasija Gulej aktiv für die Erinnerung ein: Unter anderem sammelt sie Adressen von Überlebenden und verschickt auf eigene Kosten Fragebögen zum Verfolgungsweg ihrer Leidensgenoss*innen.
Es folgen zahlreiche weitere Besuche in der Gedenkstätte Bergen-Belsen, aus denen unter anderem ein fünfeinhalb-stündiges lebensgeschichtliches Interview hervorgeht. Wir freuen uns auf weitere Besuche von ihr und wünschen Anastasija Gulej alles erdenklich Gute zu ihrem 100. Geburtstag.


