Ansatzpunkt des Projekts
Antisemitische Beschimpfungen, Bedrohungen und gewalttätige Übergriffe gegen jüdische und nicht-jüdische Vereine, Spieler*innen und deren Fans sind sowohl im Profifußball als auch im Amateursport kein neues Phänomen. Bisher sind nachhaltige und vorbeugende Maßnahmen zur Bekämpfung von Antisemitismus sowie Forschung, die zur Aufklärung und Weiterentwicklung von Bildungsangeboten beitragen, allerdings nur vereinzelt vorhanden. Das qualitativ ausgerichtete Projekt „Wer gegen wen? Gewalt, Ausgrenzung und das Stereotyp ‚Jude’ im Fußball“ der Abteilung Bildung und Begegnung der Gedenkstätte Bergen-Belsen setzte an diese Lücke in der Forschung und Praxis an.
Projektziele und Zielgruppen
Das Ziel der Projektphase zwischen Mai und Dezember 2020 war, Handlungsempfehlungen zur Vorbeugung von Antisemitismus im Fußball durch historisch-politische Bildungsarbeit zu entwickeln. Um bedarfsorientierte und zielgruppengerechte Bildungsangebote zu erarbeiten, wurden Interviews mit Expert*innen auf verschiedenen Ebenen des organisierten Fußballs in Niedersachsen geführt. Neben den Verbänden, Profi-Vereinen, Fanprojekten und Fan-Initiativen wurden auf der Ebene des Breitensports ebenso Amateurvereine in der Untersuchung befragt. Darüber hinaus wurden weitere Expert*innen der Fachwelt sowie der Zivilgesellschaft mit in den Forschungsprozess einbezogen.
Lebensweltbezogene Bildungsangebote
In der Projektphase in 2021 wurden historisch-politische Bildungsangebote zur Prävention von Antisemitismus gemeinsam mit Akteur*innen im Sport entwickelt und durchgeführt. Diese Bildungsarbeit ist seit Anfang 2022 als verstetigtes Angebot der Gedenkstätte etabliert. In unterschiedlichen Formaten wird Antisemitismus nicht nur im Kontext des Holocaust behandelt, sondern auch mit aktuellen sportspezifischen Erscheinungsformen verknüpft. Somit wird ein Lebenswelt- und Sozialraumbezug der unterschiedlichen Zielgruppen im Feld des Sports angestrebt. Bündnisse gegen Antisemitismus und Diskriminierung im Sport basieren maßgeblich auf dem Engagement ehrenamtlich arbeitender Menschen. Die bestehenden Netzwerke gegen Diskriminierung im Sport und das zivilgesellschaftliche Engagement sollen mit Hilfe der Ergebnisse des Forschungsprojekts durch praxisnahe Bildungsangebote gestärkt werden.
Anknüpfend an die ersten zwei Projektphasen von „Wer gegen Wen?“ wurde im Jahr 2022 zusätzlich das Projekt „Kick Dis Out – Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus im Fußball“ entwickelt und begonnen. Die teilnehmenden Jugendlichen setzen sich in dem Projekt an mehreren Terminen in Niedersachsen und darüber hinaus mit unterschiedlichen Aspekten von Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus auseinander und kommen dabei untereinander und mit Expert*innen in einen intensiven Austausch.
Kooperationspartner*innen und Förder*innen
Für das Projekt kooperierten im Jahr 2020 die Gedenkstätte Bergen-Belsen und der World Jewish Congress, der dieses auch in dieser Projektphase finanziell unterstütze.
Das Projekt wurde im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ mit Mitteln des BMFSFJ durch das Landes-Demokratiezentrum Niedersachsen (L-DZ) und aus Mitteln des Niedersächsischen Justizministeriums durch das Landesprogramm für Demokratie und Menschenrechte sowie der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten gefördert.
Das Projekt wird von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert.
Handlungsempfehlungen zum Vorgehen gegen Antisemitismus im Fußball
Diese Broschüre richtet sich an alle Akteur*innen, die auf den unterschiedlichen Ebenen des Fußballs bei der Arbeit gegen Antisemitismus eine wichtige Rolle spielen – Verbände, Vereine, Spieler*innen, Fanprojekte, Fans und weitere Engagierte. Die in der Broschüre vorgestellten Handlungsempfehlungen sollen allen Beteiligten Möglichkeiten für ein Engagement aufzeigen und sie ermutigen, aktiv zu werden. Insbesondere sollen die bestehenden Netzwerke gegen Antisemitismus im Fußball und das zivilgesellschaftliche Engagement mit dem Projektergebnis gestärkt und handlungsfähig gemacht werden.