Die Interview-Sammlung der Gedenkstätte
Bislang sind mehr als 450 audiovisuelle Interviews mit einer Gesamtlänge von rund 2100 Stunden aufgezeichnet worden. Das Material ist voll digitalisiert bzw. liegt seit 2010 im Full-HD-Format vor. Es umfasst Biografien von Personen der Jahrgänge 1911 bis 1976 aus 23 verschiedenen Ländern. Die Sammlung bildet einen zentralen Quellenbestand der Gedenkstätte.
Im Mittelpunkt der audiovisuellen Dokumentation von Lebensgeschichten stehen die Überlebenden des KZ Bergen-Belsen. Entsprechend der Häftlingsstruktur überwiegt die Anzahl der Interviews mit jüdischen Personen sowie politisch Verfolgten. Rund ein Drittel der Interviews wurden mit sogenannten Child Survivors geführt, die als Kinder der Verfolgung ausgesetzt waren. Hinzu kommen in geringerer Zahl Interviews mit Sinti* und Roma*, mit ehemaligen polnischen und sowjetischen Kriegsgefangenen, italienischen Militärinternierten sowie mit weiteren Zeitzeug*innen wie ehemaligen britischen Soldaten, Angehörige von Hilfsorganisationen im DP-Camp oder Anwohner*innen aus der Umgebung. Jahrzehnte nach der Befreiung war es nicht mehr möglich, mit Frauen und Männern aller Häftlingskategorien zu sprechen. So existieren aus der Gruppe der wegen ihrer Homosexualität im KZ Bergen-Belsen inhaftierten Männer keine Interviews. Gleiches gilt für ehemalige Häftlinge aus den Gruppen der sogenannten „Asozialen“ oder „Berufsverbrecher“.
Erweiterung unseres Interview-Bestandes
In den letzten Jahren wurden neue Zeitzeug*innengruppen in das Interviewprojekt eingebunden, so z.B. die sogenannte Zweite Generation (Kinder von Überlebenden) sowie Personen, die zur Erinnerungskultur vor Ort und zur Geschichte der Gedenkstätte wichtiges Wissen beitragen können.
Die Lebensberichte zeigen anhand des Einzelschicksals das individuelle Erleben und die persönliche Sicht auf das historische Geschehen. Sie ergänzen die unvollständigen Aktenüberlieferungen und thematisieren Ereignisse und Situationen, über die aus anderen Quellen nichts oder nur sehr wenig bekannt ist. Viele Aspekte, insbesondere der Lagergeschichte und der Lebens- und Überlebensbedingungen, sind überhaupt nur durch diese Selbstzeugnisse dokumentierbar. Durch den lebensgeschichtlichen Ansatz der Interviews wird nicht nur die Phase der nationalsozialistischen Verfolgung und des Zweiten Weltkrieges, sondern auch die Lebenssituation der Menschen davor und danach dokumentiert.











